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Lauftreff-Reise 2024 in den Schwarzwald und das Elsass

 

Wie packt man möglichst viele kulinarische Highlights, landschaftliche Schönheit, kulturelle Erleuchtung und sportliche Betätigung in vier Tage?

Das ist die stete Herausforderung für jeden Organisator einer Lauftreff-Reise.

Und so begann unser diesjähriger Ausflug, nach zweieinhalbstündiger Anfahrt an den Mummelsee, direkt mit einer Wahlmöglichkeit: Schwarzwälder Kirschtorte auf der Seeterrasse oder Erklimmen des Hornisgrinde-Gipfels?

Nach diesem kurzen Intro in den Schwarzwald mit schönen Blicken in die Rheinebene ging es weiter zum nächsten Stopp, den Allerheiligen Wasserfällen. Über 90 Meter und sieben Kaskaden stürzt das Wasser durch eine Schlucht in die Tiefe, flankiert von einem Weg mit 250 Stufen.  

Von hier waren es dann nur noch 15 Minuten Fahrt zu unserem herrlich gelegenen Schwarzwald-Domizil, dem Höhenhotel Kalikutt in Oppenau im  Renchtal. Schnell die Zimmer beziehen, kurz die Umgebung abchecken, und dann war schon wieder Abfahrt zum nächsten Programmpunkt: einer Weinprobe bei den Oberkircher Winzern. Da unser Kellerführer Herr Rentschler während seiner Ausbildung in Hochheim gewesen war und diese Zeit in bester Erinnerung hatte, ging ihm bei unserem Besuch aus dem geliebten Rheingau das Herz auf und er schenkte uns jeden der sechs Probeweine mindestens doppelt ein.

Mit beschwingten Sinnen und hungrigen Bäuchen kehrten wir zur Kalikutt zurück. Die Zeit bis zum Abendessen überbrückten einige auf der Terrasse oder in der Beach-Bar neben dem Kneipp-Becken, wo es einen gut gefüllten Selbstbedienungs-Kühlschrank gibt.

Und dann: zwei Suppen – zwei Vorspeisen – drei Hauptgerichte – Dessert oder Käse. Die Verwöhn-Halbpension mit vier Gängen und Wahlmöglichkeiten ließ wirklich keine Wünsche offen.

Tag zwei begann wieder mit einer Wahlmöglichkeit:

Wanderung auf dem Brennersteig oder Besuch des Städtchens Lahr?

Zwölf der 19 Teilnehmer entschieden sich für den Brennersteig. Auf 13,9 km verläuft der Rundwanderweg um das Hesselbacher Tal bei Oberkirch, durch Feld, Wald und Weinberge. Zahlreiche Brennereien oder Bauernhöfe mit Brennrecht laden unterwegs zur Kostprobe ihrer Erzeugnisse ein. Allein in Oberkirch sind rund 796 Hausbrennereien registriert - damit gilt Oberkirch als Brennhauptstadt Europas. Den ersten Probierstand erreichten wir bereits nach ca. 15 Minuten. Am dritten Stand, beim Hof Buseck, gab es dann die erste längere Pause mit Spirituosen und Hofeis. Weiter führte uns der Weg vorbei am Geigerskopfturm mit herrlichen Ausblicken ins Rheintal und bis zu den gegenüberliegenden Vogesen. Am Ende erreichten wir den Schnapslehrpfad der Brennerei Halter. Die Chefin sperrte den Verkaufsraum für uns auf, und jeder, der noch irgendetwas verkosten oder Mitbringsel einkaufen wollte, kam auf seine Kosten.

Derweil besuchten die restlichen Teilnehmer die große Kreisstadt Lahr (knapp 50.000 Einwohner), die durch die jährlich im September stattfindende Blumenschau „Chrysantema" bekannt ist. Nach einer 45minütigen Fahrt folgte ein kurzer aber anspruchsvoller Spaziergang auf den Lahrer Hausberg Schutterlindenberg. Dort genoss man den wunderbaren Rundumblick über das Rheintal in die Vogesen, nach Straßburg, Offenburg und in die Schwarzwalderhebungen. Danach bummelte man durch die kleine aber feine Altstadt und genoss kühle Getränke im Szenelokal „Platzhirsch".

Beinahe zeitgleich trafen beide Gruppen wieder auf der Kalikutt ein. Das Kneippbecken bei der Beach-Bar war wieder ein beliebter Treffpunkt für Kaffee, Bier oder ein Nickerchen auf der Himmelsliege.

Nach dem Abendessen verlagerte sich die Gruppe in die Kamin-Lounge zum Fußballschauen. Der ein oder andere genoss auch einen schönen Abendspaziergang in der Natur.

Am dritten Tag stand ein Ausflug nach Gengenbach auf dem Programm.

Das 11.000 Einwohner-Städtchen liegt im Kinzigtal an der Deutschen Fachwerk- und der Badischen Weinstraße. Im Ortenaukreis ist es nach Rust (Europapark) der Ort mit den meisten Übernachtungsgästen. Unser fachkundiger Stadtführer Simon Morlok führte uns durch die schmalen Gässchen der historischen Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern. Leider hatte ein heftiger Platzregen zur Folge, dass wir die Stadtführung etwas kürzer halten mussten – dafür hatten wir umso mehr Zeit für den zweiten Teil unseres Kulturprogramms, der Besichtigung des Narrenmuseums im Niggelturm. Herr Morlok, der selbst aktiver „Fassenachter" in x-ter Generation ist, erzählte lebendig und begeisternd von der Gengenbacher „Fasend", von ihrer Geschichte und den vielen bis heute lebendigen Traditionen, zum Beispiel vom Wecken der zentralen Figur „Schalk", vom „Schnurren und Schnaigen" in den Wirtschaften, vom Hemdglunkerumzug und den Klepperliskindern. Das Museum umfasst sieben Stockwerke mit verschiedenen Schwerpunkten. Rund um das oberste Stockwerk verläuft eine Balustrade mit wunderbarer Aussicht.

Im Anschluss erwartete uns schon Klaus Stern in der Enoteca mit einer besonderen Weinprobe. In einer Blindverkostung goss er immer zwei Weine ein – einen badischen und einen internationalen. Es wurde heiß diskutiert und viel gelacht, denn einig waren wir uns nie.

Auf dem Rückweg zum Hotel gab es noch einen kurzen Shopping Stopp bei Armbrusters Hoflädele. Mit kohlrabenschwarzen Fingern erklärte uns der Hofchef, dass er schon die ganze Woche Kirschen für Mon Cheri verarbeitet habe, daher die schwarzen Finger. Das Piemont liegt also in der Ortenau, jetzt wissen wir's. Auch hier konnte wieder allerlei probiert werden, vor allem diverse Eierlikörspezialitäten und Schnäpse. Aber auch die ein oder andere Wurst- und Schinkenspezialität fand ihren Weg in die Mitbringsel-Tasche für Zuhause.

Zurück in der Kalikutt wurde der folgende Tag vorbereitet und besprochen. Ein Marathoni, neun Halbmarathonis und zehn Nicht-Läufer sollten zu unterschiedlichen Zeiten mit drei Fahrzeugen ins Elsass fahren. Die Läufer sollten jeweils rechtzeitig zu ihren Starts an unterschiedlichen Startlinien stehen, und am Ende sollten sich möglichst alle wieder treffen. Die logistische Vorbereitung des Marathon du Vignoble d'Alsace gestaltete sich als organisatorische Herausforderung. Letzten Endes hat alles wunderbar geklappt am...

... vierten Tag unserer Reise, dem „Race Day"!

Bei königlichem Laufwetter fanden sich alle Läufer vor acht Uhr in Dorlisheim ein. Zuerst schickten wir mit Gerhard unseren Marathoni auf die Strecke, bevor sich die Halbmarathonis zu den Shuttle-Bussen nach Scharrachbergheim begaben. Dort spielte bereits eine Band, es gab Kaffee und Hefezopf und die mehrheitlich verkleideten Läufer tanzten eine Polonaise. So verging die Zeit bis zum (verspäteten) Start gegen 10:30 wie im Flug.

Der Marathon du Vignoble ist eine Mischung aus Karneval, kulinarischer Weinprobe und Landschaftslauf. Ambitionierte Läufer greifen zu Riegeln und isotonischen Getränken. Alle anderen (und das ist die deutliche Mehrheit) verweilen an den „ravitaillements gastro-viniques" und genießen perfekt aufeinander abgestimmte Häppchen und Wein, z.B. Hering und Riesling, Münsterkäse und Gewürztraminer oder Gugelhupf und Pinot Blanc. Dazu gibt es jede Menge Live Musik und ausgelassene Stimmung auf der Strecke und am Streckenrand. So lässt sich das Elsass von seiner besten Seite erleben.

Und genau das war auch die Erfahrung von uns Teilnehmern. Wir genossen den Lauf in vollen Zügen. Groß war die Freude, als wir an der letzten Verpflegungsstelle – dem Crémant-Stand – Bärbel und Calli trafen. Da wussten wir, dass wir es fast geschafft hatten. Hand in Hand liefen wir über die Ziellinie in Molsheim, wo unsere Kameraden schon alle auf uns warteten.

Gemeinsam statteten wir dann noch der Festmeile vor dem Rathaus einen Besuch ab. Läufer und Nicht-Läufer feierten zusammen, und ein DJ heizte der Menge ein.

Gegen halb vier hieß es dann Abschied nehmen. Die Rückfahrt verlief – ganz im Gegensatz zu den vergangenen vier Tagen – sonderbar leise. Zumindest in meinem Fahrzeug schliefen alle Insassen (mit Ausnahme des Fahrers) durch bis Naurod....

Schön war's!


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